trend.PREMIUM 06.11.2026 (PDF E-Paper)
Liebe Leserin, lieber Leser!
HERZLICH WILLKOMMEN zu einer Ausgabe mit dem Schwerpunkt Reformeifer. Die gute Nachricht: Es gibt ihn, auf europäischer wie auf nationaler Ebene. Die schlechte: In der Regel pulverisiert er sich entweder in den bestehenden wohlgenährten Strukturen oder in ideologischen Scheindebatten.
Womit wir bei der Titelgeschichte wären, die eine der am häufigsten gestellten Fragen dieser Tage zu beantworten versucht: „Wer ist Markus Marterbauer?“ Der frühere Arbeiterkammer-Ökonom ist als Finanzminister das beliebteste Mitglied der sonst nicht rasend beliebten schwarz-rot-pinken Bundesregierung. Wenn er im Jänner den glücklosen Andreas Babler als Vizekanzler ablöst und einige Wochen danach wohl zum SPÖ-Chef gekürt wird, wird er zur Schlüsselfigur für den Reformkurs der Regierung. Ist der gebürtige Oberösterreicher aber nun ein „Kommunist“, wie er neulich in einer ORF-Debatte wiederholt genannt wurde, noch dazu einer mit unverbrüchlichem Hang zum Pazifismus – oder doch ein smarter Pragmatiker mit genau jener Haltung und ethischen Leitlinien, die vielen anderen fehlen? Was Ökonomenkolleg:innen, CEOs und Politikinsider zu dieser Frage sagen, haben Angelika Kramer und Paula-Marie Pucker zusammengetragen. Politik-Backstage-Kolumnist Josef Votzi hat zudem recherchiert, welche Staatssekretäre beim Antritt Marterbauers als Vizekanzler ihre Jobs verlieren könnten. Ab Seite 16.
Eine Umbildung steht auch an der ÖBB-Spitze an, wie Andreas Lampl und Kramer auf Seite 6 skizzieren. Der oder die Neue muss nicht nur eine vom zuständigen Minister Peter Hanke vorgegebene Strukturreform umsetzen, sondern sich auch um das Sorgenkind Rail Cargo Austria – die Güterverkehrstochter der Bahn – kümmern. Mit Reformeifer allein wird das Kind nicht zu schaukeln sein, ist der spannenden Story von Markus Groll ab Seite 28 zu entnehmen.
Dringenden Reformbedarf hat auch das österreichische Bundesheer, nicht nur in Sachen Equipment, sondern auch was das Mindset betrifft. Manfred Gram hat mit der ranghöchsten Offizierin Österreichs, Sylvia Sperandio, ein Interview über die Frauenperspektiven beim Heer geführt (Seite 46). Die Antwort der Frau Generalmajor auf die Frage, was es braucht, um als Frau beim Heer durchzuhalten, taugt wohl auch als Handlungsanleitung für Reformen generell: „Es braucht Courage, Stabilität, wahrscheinlich auch Selbstdisziplin und vor allem ein gutes Umfeld, das an einen glaubt.“
In diesem Sinn viel Lesevergnügen!
Bernhard Ecker
Chefredakteur